Historisches Solo: Seixas triumphiert in der Lombardei
Wunderkind Paul Seixas ist bei der 120. Ausgabe der legendären Lombardei-Rundfahrt mit dem ersten großen Sieg seiner Karriere in die Geschichtsbücher des Radsports gestürmt. In Abwesenheit des verletzten Dauersiegers Tadej Pogacar triumphierte der Franzose als Solist, mit 20 Jahren und 16 Tagen ist Seixas der jüngste Gewinner des fünften und letzten Monuments des Jahres.
Seixas (Decathlon-CMA CGM) setzte am vorletzten Anstieg knapp 18 km vor dem Ziel, der enorm steilen Civiglio, die entscheidende Attacke und ließ sich auf dem Weg zum Triumph nicht mehr einholen. "Déjà monumental", kommentierte L'Équipe den Triumph. Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel (Red Bull-Bora-hansgrohe) wie auch Pogacars Kronprinz Isaac Del Toro (Mexiko/UAE Emirates-XRG) konnten nicht mehr folgen. Seixas' Vorsprung auf Vuelta-Sieger Enric Mas (Movistar) auf dem zweiten Platz betrug 48 Sekunden, der Italiener Giulio Ciccone (+1:05 Minuten) vom deutschen Team Lidl-Trek wurde Dritter.
Seixas ist der erste Franzose seit Thibaut Pinot im Jahr 2018 und der insgesamt 13., der im Norden Italiens gewinnt. Erst im Vorjahr hatte der Senkrechtstarter aus Lyon in der Lombardei sein Debüt bei einem Monument gegeben. Er folgt auf den Slowenen Pogacar, der zuletzt fünf Mal nacheinander gesiegt hatte, und löst den Italiener Giovanni Gerbi ab, der 1905 bei seinem Erfolg ein paar Tage älter war als Seixas. Insgesamt ist Seixas der viertjüngste Sieger eines Monuments.
Der Tour-de-France-Zweite Evenepoel erlebte dagegen eine Enttäuschung. Der frisch gekürte Europameister verlor auf der Civiglio den Anschluss, nach zwei zweiten Plätzen in den vergangenen beiden Jahren blieb dem Belgier letztlich Rang vier (+1:20).
Evenepoels deutscher Teamkollege Florian Lipowitz stand überraschend doch nicht im am Vortag veröffentlichten Aufgebot der Raublinger Mannschaft. Mit der Entscheidung hatten die anderen Deutschen nichts zu tun.
Evenepoel hatte zuvor den Protest vor dem Beginn des Rennens angeführt und per Mikrofon bessere Sicherheitsvorkehrungen gefordert. Das Peloton hielt am Start in Bergamo fünf Minuten inne und verzögerte den Ablauf. Der Weltverband UCI, so lautet der Vorwurf der Profis, habe seit dem tragischen Unfalltod des Briten Finlay Tarling im August zu wenig nachgebessert. Immer wieder tauchten seither Kraftfahrzeuge auf den Streckenabschnitten internationaler Rennen auf.
Anschließend suchten einige Fahrer die Flucht. Erst eine sechsköpfige Gruppe schaffte es, sich nachhaltig abzusetzen. Das Finale aber gehörte Seixas, der auf der Civiglio das Tempo erhöhte. Evenepoel fiel zurück, auch Del Toro schüttelte Seixas ab. Nachdem er auch den letzten Ausreißer eingeholt hatte, folgte eine Triumphfahrt des französischen Wunderkinds.
D.Medina--GBA