Rad-WM: Koch verpasst Medaille - Vollering triumphiert
Franziska Koch hat bei der Straßenrad-WM in Montreal eine weitere Medaille deutlich verpasst. Sechs Tage nach Bronze im Einzelzeitfahren musste sich die 26-Jährige aus Mettmann beim Triumph der Niederländerin Demi Vollering in einem packenden Straßenrennen mit Platz zehn begnügen.
"Ich kann es noch nicht begreifen. Du musst stark sein, um in so einem Rennen immer an dich zu glauben", sagte Vollering: "Ich habe es wieder und wieder versucht und alles hineingeworfen. Ich bin sehr stolz."
Nach der anspruchsvollen Kraftprobe über 180,1 Kilometer, die von einem schweren Sturz überschattet war, setzte sich Vollering, die im Sommer bereits die Tour de France gewonnen hatte, in einem beinharten Sprint vor der Polin Kasia Niewiadoma-Phinney durch. Nach Platz zwei 2023 war es der erste WM-Titel für die 29-Jährige.
Bronze ging wie 2020 und 2024 an die Italienerin Elisa Longo Borghini. Zeitfahr-Weltmeisterin Marlen Reusser aus der Schweiz musste sich mit Platz vier begnügen.
Koch, die letztlich 5:51 Minuten zurücklag, sowie Liane Lippert (14./+8:34) und Antonia Niedermaier (28./+8:40) hatten in der entscheidenden Phase den Anschluss verpasst. Damit bleibt Silber von Lisa Brennauer 2014 die bislang letzte deutsche Medaille in der wichtigsten Frauen-Disziplin.
Tour-Siegerin Vollering hatte 39 km vor dem Ziel angegriffen und das verbliebene Feld gesprengt. Koch sowie Niedermaier und Lippert schafften nicht den Sprung in die erste Verfolgergruppe, Koch kämpfte vergeblich als Solistin um Anschluss. Vollering, auf der WorldTour Kollegin der deutschen Meisterin beim FDJ-Team, wurde zwar wieder eingeholt, hatte dann aber im Sprint die besten Beine.
Nach 70 weitgehend flachen Kilometern begann mit der Einfahrt in den rund 15 Kilometer langen und fordernden Rundkurs in Montreal das Rennen erst wirklich. Eine kleine Ausreißergruppe mit der jungen US-Amerikanerin Natalie Quinn, die zwischenzeitlich rund 4:30 Minuten Vorsprung herausgefahren hatte, fiel auseinander.
95 Kilometer vor dem Ziel gab das Feld das bis dahin eingeschlagene Tempo auf, das erwartete Ausscheidungsfahren begann - nicht ohne Hektik. Bei einem schweren Sturz auf gerader Strecke kam ein Dutzend Fahrerinnen zu Fall. Schwer erwischte es die Schwedin Caroline Andersson, die regungslos am Boden liegen blieb und lange behandelt wurde. Sie und mehrere andere Fahrerinnen wurden ins Krankenhaus gebracht.
Durch den Massencrash verloren aber auch einige Favoritinnen den Anschluss, darunter die kanadische Titelverteidigerin Magdeleine Vallieres und Vizeweltmeister Niamh Fisher-Black (Neuseeland) sowie Kim Le Court-Pienaar aus Mauritius. In Ricarda Bauernfeind und Linda Riedmann erwischte es zwei der fünf deutschen Fahrerinnen, die fortan mit der Entscheidung nichts mehr zu tun hatten.
P.Pereyra--GBA