Brasilien: Lula und Bolsonaro überziehen sich im TV-Duell mit Vorwürfen
Eine Woche vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Brasilien haben sich der linksgerichtete Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und sein rechter Herausforderer Flávio Bolsonaro eine teils chaotische TV-Debatte geliefert. Beide Politiker überzogen sich in dem Duell des Fernsehsenders Band am Sonntag gegenseitig mit Vorwürfen und Beleidigungen und warfen einander vor, korrupt zu sein.
Der 45 Jahre alte Sohn des früheren ultrarechten Präsidenten Jair Bolsonaro versuchte, Lula immer wieder aus der Fassung zu bringen, indem er während der gesamten Debatte hinter ihm auf und ab lief, den Kopf schüttelte, Grimassen zog und höhnisch lachte. Konkret hielt er dem Amtsinhaber unter anderem "Ausgaben in verantwortungslosem Ausmaß" vor, um wiedergewählt zu werden.
Außerdem zeigte Bolsonaro immer wieder seine Handfläche, auf der das Wort "korrupt" geschrieben war. Damit bezog er sich offensichtlich auf eine frühere Gefängnisstrafe Lulas: 2018 und 2019 saß dieser mehr als anderthalb Jahre lang wegen einer später aufgehobenen Korruptionsverurteilung im Gefängnis. Es sei besser, dass er auf Abstand zu Lula bleibe, "weil mir sonst die Brieftasche gestohlen werden könnte", fügte er hinzu.
Darüber hinaus thematisierte Bolsonaro Korruptionsvorwürfe gegen einen "Lulinha" genannten Sohn Lulas und warf Lulas Frau Rosangela da Silva vor, öffentliche Gelder zu verschwenden. "Brasilien wird dich in den Ruhestand schicken!", fügte Bolsonaro hinzu.
Lula wiederum bezeichnete seinen Gegner als "Milizionär" und spielte damit auf angebliche Verbindungen des Senators zu kriminellen Banden an. Außerdem verlangte er mehrfach Erklärungen zu Korruptionsermittlungen im Zusammenhang mit der Finanzierung eines Dokumentarfilms über seinen inhaftierten Vater Jair Bolsonaro. Als dessen Sohn eine Antwort verweigerte, beschimpfte ihn Lula als "Clown". Außerdem sei er ein "unverbesserlicher Halunke".
Scharfe Kritik übte Lula an der Nähe der Bolsonaros zu US-Präsident Donald Trump und zum argentinischen Staatschef Javier Milei. Wenn es um die USA gehe, verhalte sich die Bolsonaro-Familie "unterwürfig", beklagte Lula. Sein rechter Herausforderer wolle die brasilianischen Vorkommen an seltenen Erden "verscherbeln".
Der 45-jährige Flávio Bolsonaro war in der ersten Wahlrunde Anfang Oktober überraschend mit 47 Prozent der Stimmen auf dem ersten Platz gelandet. Der 80-jährige Lula erhielt 45 Prozent. Bolsonaro geht nun als Favorit in die Stichwahl vom 25. Oktober, zuletzt konnte Lula in Umfragen aber Boden gutmachen.
Zu dem Schlagabtausch hatten sich tausende Anhänger beider Kandidaten in Städten im ganzen Land versammelt, um das TV-Duell mitzuverfolgen. "Man muss zwei oder drei Jobs machen, um über die Runden zu kommen und sich irgendetwas kaufen zu können", sagte die 36-jährige Sara Machado in São Paulo, die Bolsonaro wählen wollte. Die 51 Jahre alte Krankenschwester Fabiana Leite erklärte dagegen, Lulas Sozialprogramme hätten ihr geholfen. Sie werde weiterhin für Lula kämpfen, fügte sie hinzu.
L.Carrizo--GBA