Russland erklärt Regisseur Swjaginzew zum "ausländischen Agenten"
Der im Exil lebende russische Regisseur Andrei Swjaginzew ist von den Behörden seines Landes zum "ausländischen Agenten" erklärt worden. Das russische Justizministerium teilte am Freitag auf seiner Website mit, der 62-Jährige habe "Falschinformationen über Entscheidungen der Behörden der Russischen Föderation und die von ihnen verfolgte Politik" verbreitet und werde von "ausländischen Agenten" beeinflusst.
Swjaginzew hatte die im Februar 2022 gestartete russische Offensive gegen die Ukraine verurteilt. Er gilt international als einer der bekanntesten russischen Regisseure und lebt im französischen Exil. Frankreich will seinen jüngsten Film "Minotaur" für den Wettbewerb um den "besten internationalen Film" bei der Oscar-Verleihung 2027 vorschlagen.
Beim Filmfestival in Cannes war die internationale Ko-Produktion mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet worden. Der Spielfilm erzählt das Drama eines russischen Ehepaars vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und der Mobilisierung zehntausender Soldaten. Er ist eine moderne Version des französischen Filmklassikers "Die untreue Frau" von Claude Chabrol und zugleich eine bittere Kritik an den Verhältnissen in Russland.
In seiner Dankesrede in Cannes rief Swjaginzew im Mai den russischen Präsidenten Wladimir Putin auf, das "Blutbad" zu beenden, und fügte hinzu: "Die ganze Welt wartet darauf."
Mit der Einstufung als "ausländische Agenten" gehen die russischen Behörden gegen Kritiker des Kreml und des Ukraine-Krieges vor. Betroffene dürfen keine öffentlichen Ämter bekleiden und müssen ihre Aktivitäten bei den Behörden melden. Gegen tausende Kritiker des Ukraine-Krieges laufen Gerichtsverfahren.
P.Aguilar--GBA