Geplanter Überfall in Bochum: Urteil gegen "Ausbrecherkönig" vor Brüsseler Gericht verschoben
Im Prozess gegen den als "Ausbrecherkönig" bekannten Kriminellen Antonio Ferrara wegen eines geplanten Raubüberfalls in Bochum ist die für Freitag geplante Urteilsverkündung kurzfristig verschoben worden. Das Brüsseler Gericht teilte ohne Angaben von Gründen mit, es werde seine Entscheidung erst am 5. November verkünden. Die Staatsanwaltschaft hat 18 Jahre Haft für Ferrara gefordert, der in Frankreich wegen mehrerer Raubüberfälle und versuchten Mordes sowie wegen zweier Gefängnisausbrüche bereits zu Gefängnisstrafen verurteilt worden war.
Der vorsitzende Richter nannte keinen Grund für die kurzfristig verkündete Verschiebung der Urteilsverkündung. Die im September abgeschlossene Gerichtsverhandlung war von der wiederholten Diskussion über Verfahrensfragen und Beschwerden der Verteidigung geprägt gewesen. Deswegen waren die Verhandlungen bereits über den Sommer hinaus verlängert worden.
Ferrara wird vorgeworfen, zusammen mit mehreren Komplizen einen Raubüberfall auf ein Werttransportunternehmen in Bochum geplant zu haben. Ihr dafür vorgesehenes Waffenarsenal bestand laut Staatsanwaltschaft aus Sturmgewehren, Handfeuerwaffen, Granaten und Sprengstoff.
Der 53 Jahre alte Ferrara, ein in Italien geborener Franzose, ist zusammen mit neun weiteren Verdächtigen angeklagt, darunter Ferraras Bruder Massimiliano sowie Figuren aus Pariser Verbrecherkreisen. Für Antonio Ferrara und vier weitere Angeklagte, darunter der zusätzlich wegen Mordversuchs beschuldigte Algerier Yacine B., forderte die belgische Staatsanwaltschaft 18 Jahre, für die übrigen mindestens 10 Jahre Gefängnis.
Ferrara und seine mutmaßlichen Komplizen waren im Februar 2025 im belgischen Eupen nahe der Grenze zu Deutschland festgenommen worden. Nach Angaben der Ermittler hatte der Raubüberfall in Bochum kurz bevor gestanden. Bei Durchsuchungen fand die Polizei Sturmgewehre, Granaten, Sprengstoff und schusssichere Westen in gestohlenen Wagen, die offenbar für die Tat verwendet werden sollten.
Der Anklage zufolge hatte ein Teil der Gruppe von einer Ferienwohnung in Eupen aus den Tatort in Deutschland bereits ausgekundschaftet. Bei der Festnahme der Verdächtigen im Februar kam es zu einer Verfolgungsjagd mit mehreren Autos. Ein Polizist und einer der Verdächtigen wurden dabei verletzt. Ferrara saß rund acht Monate in Belgien in Untersuchungshaft, bevor er im November gegen Kaution freikam.
In dem Fall hatten die belgische und die französische Polizei zusammengearbeitet. Die Anklage stützt sich unter anderem auf abgehörte Telefonate und die Ergebnisse anderer Überwachungsmaßnahmen. Außerdem wurden nach Angaben der Ermittler DNA-Spuren von Ferrara auf mehreren Waffen gefunden.
Ferrara bestreitet die Vorwürfe allerdings. Sein Anwalt Olivier Martins machte geltend, dass die Ergebnisse der DNA-Analysen nicht zuverlässig seien. Die Reise seines Mandanten mit mehreren Freunden nach Belgien habe lediglich dem Kauf von Autos gedient. Der Verteidiger hob zu Beginn des Gerichtsverfahrens gegenüber der Nachrichtenagentur AFP zudem hervor, dass in Ferraras Fahrzeug keinerlei Waffen gefunden worden seien.
Ferrara war 2022 in Frankreich aus der Haft entlassen worden. Dort war er wegen mehrerer Raubüberfälle und versuchten Mordes sowie wegen zweier Gefängnisausbrüche zu Haftstrafen verurteilt worden.
Unter anderem sprenge er im Jahr 2003 in Frankreich die Gitter seiner Zelle in einem Gefängnis im Großraum Paris. Ein zehnköpfiges Kommando befreite ihn mit Hilfe von Raketenwerfern. Während Ferrara floh, hielten seine Komplizen die Wachtürme der Haftanstalt unter Beschuss. Vier Monate später wurde Ferrara in einem Pariser Café gefasst. Nach seinem ersten Gefängnisausbruch im Jahr 1998 hatte es vier Jahre gedauert, bis er wieder geschnappt wurde.
G.Molina--GBA