Schüler und Gewerkschaftsvertreter blockieren erneut Schulen in Frankreich
Erneut haben Schüler und Gewerkschaftsvertreter in Frankreich in mehreren Städten des Landes Schulen blockiert. Mit Blick auf mögliche Ausschreitungen an diesem Protesttag sagte Frankreichs Bildungsminister Edouard Geffray am Dienstag dem Sender France: "Unsere Priorität ist es, unsere Schüler zu schützen." Bislang wurden nach offiziellen Angaben bereits 215 Schülerinnen und Schüler, 700 Sicherheitskräfte und rund 100 Schulbeschäftigte verletzt. Zudem gab es rund 6000 Festnahmen, in erster Linie Minderjährige.
Für Dienstag rechnete die Polizei allein in der Hauptstadt Paris bis zu 40.000 Demonstrierenden. Die Sicherheitskräfte warnten davor, dass sich Randalierer wie etwa Mitglieder des sogenannten Black Block unter Protestierenden mischen könnten, um sich Kämpfe mit der Polizei zu liefern.
Erstmals riefen auch mehrere Gewerkschaften und Parteien dazu auf, die Proteste zu unterstützen. Grünen-Chefin Marine Tondelier forderte, mit weißen Helmen und Armbinden teilzunehmen. Sie prangerte erneut das Vorgehen der französischen Sicherheitskräfte gegenüber den Protestierenden an. "Sie erlauben sich Dinge, die nirgendwo anders in Europa akzeptiert würden", sagte sie. Am Vortag war einem 15-Jährigen bei der Explosion einer Polizeigranate eine Hand abgerissen worden.
Mit ihrem Protest fordern die Schülerinnen und Schüler unter anderem mehr Lehrer, kleinere Klassen, kürzere Schultage und eine bessere Ausstattung der Schulen in Frankreich. Zugleich scheint sich eine allgemeine Wut angesichts von Ungerechtigkeiten im Bildungssystem und fehlenden Perspektiven Bahn zu brechen. Auch das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte heizt die Stimmung an.
"Ein Lehrer - 35 Schüler. Ein Schüler - 5 Polizisten", war auf einem der Plakate zu lesen, "Wer schützt uns vor der Polizei?" auf einem anderen. Aber auch andere Sorgen ließen sich aus den Transparenten herauslesen: "Das Klima ändert sich - warum nicht Ihr?" oder "Wir sind die Zukunft - Also hört uns zu".
Nach einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage meinen 78 Prozent der 18- bis 28-Jährigen in Frankreich, dass die Politiker die Zukunft der jungen Generation schlecht vorbereiten. Nur ein Viertel der Befragten zeigte sich zuversichtlich mit Blick auf die Zukunft seines Landes. 84 Prozent gehen davon aus, dass sie es schwerer haben werden als frühere Generationen, eine stabile Arbeit zu finden.
An vielen Orten verliefen die Demonstrationen zunächst friedlich. An einem Gymnasium in Paris verteilten Lehrer Croissants, an einem anderen bildeten Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam eine Menschenkette.
Y.Iglesias--GBA